Die Geschichte des alten Babylon

Der Ursprung

Die Anfänge Babylons sind leider sehr schwer nachvollziehbar. Man weiß heute nur, daß sie im 3. Jahrtausend v. Chr. liegen. Völkerschaften mit halb verschollenen Namen wie Sumerer, Amurriter, Hurriter oder Kassiten wechselten sich in der Zeit zwischen 3000 und 1000 vor Christus in der Herrschaft über das Zweistromland ab, doch ihre Geschichte und die ihrer Führer bleiben meist schemenhaft - die schriftlichen Quellen sind noch zu sporadisch.
Der Begriff Babylon, dessen Bedeutung so viel wie "Tor Gottes" heißt, taucht erstmals in der akkadischen Form "Babilim" auf. Es wird heute angenommen, daß es sich um eine entwickelte Schreibweise des älteren Namen "Babil" handelt. Im Griechischen wurde aus diesem Namen "Babylon", der heute gebräuchliche Namen der Stadt.

 

Die Herrschaft des Hammurabi

Die erste greifbare Figur ist der babylonische König Hammurabi um etwa 1800 vor Christus. Von ihm gibt es eine in Stein gehauene Abbildung. Unsterblich aber wurde er durch den "Codex Hammurabi", eine der frühesten erhaltenen Gesetzessammlungen der Welt. Ihr Grundprinzip lautet Auge um Auge, Zahn um Zahn. Die Regeln sind unerbittlich, schaffen aber Rechtssicherheit, wenn auch nicht für jeden. Denn für Sklaven oder Halbfreie gilt der Grundsatz, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, nicht. Deren Verstümmelung kann man mit einer Geldbuße abgelten. Umgekehrt schneidet man ihnen gleich ein Ohr ab, falls sie wagen, gegen einen Freien handgreiflich zu werden.
Schlägt ein Mann eine schwangere Frau und stirbt diese an den Folgen der Schläge, ereilt nicht den Täter selbst die Strafe. Zur Sühne wird vielmehr eine seiner Töchter hingerichtet. Besonders gefährlich leben in Alt- Babylon die Ärzte. Zwar erhalten sie für die erfolgreiche Behandlung von Augenleiden, Knochenbrüchen oder Sehnenverletzungen einen genau festgelegten Lohn in Silberstücken. Stirbt oder erblindet der Patient jedoch, wird dem Doktor die Chirurgenhand abgeschnitten. Auch Schankwirtinnen - unter Hammurabi wurden Gaststätten offensichtlich nur von Frauen betrieben - müssen extrem auf der Hut sein. Falls sie überführt werden, zu schlecht eingeschenkt zu haben, ertränkt man sie im Euphrat.
In seinen eigenen Augen und denen seiner Zeitgenossen war Hammurabi, dessen Reich ganz Mesopotamien umfasste, ein gerechter und milder Herrscher. Die steinerne Stele, auf der seine Gesetze festgehalten wurden, beginnt mit den Worten: "Recht und Gerechtigkeit habe ich in das Land eingeführt, den Menschen zum Wohlgefallen." Und sie schließt mit einer ganzen Litanei von Flüchen, die jeden Nachfolger auf dem Thron treffen sollen, der nicht seinem Beispiel folgt. Alle Götter Babylons mögen ihn strafen, sollen "gleich dem wütenden Feuer im Schilf seine Gefolgsleute verbrennen" oder ihn "mit einer schwärenden Wunde, die nie mehr heilt", schlagen und ihn "bis sein Leben erlischt, über den Verlust seiner Manneskraft jammern" lassen.

 

Lage und Architektur

Babylon lag zu beiden Seiten des Euphrats und wurde durch einen doppelten Mauerring (innere Mauer ca.6,5 m / äußere Mauer ca. 3,5m) geschützt. Im Abstand von 17-18 m erhoben sich abwechselnd Türme von 4-11 m Breite. Einlass in die Stadt gewährten mindestens 8 Doppeltore. Ein weiterer Schutz gewährte die Ostmauer von ca. 8 km Länge, die auch Anlagen ausserhalb der Innenstadt deckte.

Im Zentrum lag der zweiteilige Doppelkomplex des Gottes Marduk, des Schutzgottes der Stadt. Unklar ist bis heute die Bedeutung des Tempels Etemenanki, dem Babylon seine Berühmtheit verdankt. Mit einer Seitenlänge von 90 m und etwa gleicher Höhe war Etemenanki jener "Turm zu Babel", den Herodot bewunderte und den die biblische Überlieferung nennt. Aufgemauert aus Lehmziegeln mit einer Hülle aus Tonziegeln, erhob er sich siebenstufig über das Land und stellte architektonisch einen Höhepunkt in der Tradition des Tempelbaus dar. Zudem gab es noch viele andere Tempel, öffentliche Opferstätten und Familienheiligtümer.

Für die Wohnviertel bietet sich oft das orientalische Bild. Winklige Gassen, gelegentlich zu kleinen Plätzen erweitert, mit außen fensterlosen, oft nur einstöckigen Gebäuden. Der Hof, der als zentrales Element die Räume verband, war der Hauptwohnplatz der babylonischen Großfamilie. Er gewährte Luft und Schatten, hier wurde gekocht und gebacken. Die Nacht dagegen verbrachte man während der warmen Jahreszeit meist auf dem Dach. Der Versorgung dienten ambulante Märkte. Unklar dagegen bleibt die sanitäre Ver- und Entsorgung, wenn auch Wasserleitungen sowie Toiletten und Wasseranlagen bekannt sind.

Die heute berühmtesten Bauwerke Babylons sind die Prozessionsstrasse und das Ishtar Tor. Die Prozessionsstrasse lag am Nordrand der Altstadt und war durch die Aussenmauern der Paläste eingeengt, was die Möglichkeit gab, sie mit Glasurziegeln auszustatten. Durch sie hindurch fand am 11. Tag des Festes die Götterprozession von ihrem auswärtigen Festhaus zu den Tempeln im Zentrum. So sah der Besucher Babylons zwei Reihen schreitender Löwen - die Symbole der Göttin Ishtar - bevor er an das Tor gelangte. Auf einer Länge von etwa 180 m befanden sich 120 Löwen, je 60 auf einer Seite. Der eingefasste Teil der Strasse mit einer Breite von mehr als 20 m dagegen war 250 m lang, verlief weiter zum Heiligtum Etemenanki und bog dort ab zur Euphratbrücke. Ziel der Prozession war das Ishtar Tor.

 

Besonderheiten

Es wird vermutet, daß die Kunst des Bierbrauens aus Babylon kommt. Die Ägypter, die als Erfinder des Bierbrauens angegeben werden, lernten diese Kunst erst sehr viel später, sehr wahrscheinlich von den Babyloniern. Es gab damals in Babylon schon 20 verschiedene Sorten Bier, die bis nach Ägypten exportiert wurde.>

Die Hängenden Gärten der Prinzessin Semiramis gehörten damals zu den  Weltwundern, die heute am wenigsten erforscht sind. Sie wurden zwar unter Nebukadnezar gebaut, doch weiß keiner, wieso sie den Namen dieser Prinzessin tragen. Sie waren ein Geschenk Nebukadnezars an seine Frau Amtys. Sie waren über 7 Terrassen angelegt, die von Säulen getragen wurden und durch die Nähe zum Euphrat auch ausreichend bewässert werden konnten.

Babylon war von uraltersher Heimat und Hauptsitz der Astronomie, Astrologie und Mathematik. Noch heute greifen viele naturwissenschaftliche Gesetze und Einteilungen auf damals bereits erkannte Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten zurück:

 

Die "Hure Babylon"

 Zitat aus der Bibel: "Die große Stadt, die bekleidet ist mit köstlicher Leinwand und Purpur und Scharlach und überschüttet ist mit Gold und Edelgestein und Perlen, die große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Übel auf Erden."

Laut Herodot muss sich jede Frau Babylons einmal im Leben einem Fremden hingeben, um Ishtar, die Göttin der sinnlichen Liebe, gnädig zu stimmen. Dafür sitzen die Jungfrauen aufgereiht an der Mauer ihres Tempels und jeder Fremde kann sich das Mädchen aussuchen, nach dem ihm gelüstet. Die Auserwählte darf sich ihm nicht verweigern. Für ihre Liebesdienste erhält sie Geld, das die Priester der Ishtar kassieren.

Kein Wunder also, daß die Sitten und Gebräuche dieser Art wesentlich zum Bild von Babylon als der "Grossen Hure" des Orients beitrugen, deren Untergang nur die gerechte Strafe für ihr Laster darstellte.

 

Der Untergang

"Mene tekel uparsin", so erzählt das Alte Testament, habe Gott in Flammenschrift bei einer wilden Orgie des letzten Regenten Belsazar an die Wand des Königspalastes geschrieben. Der Prophet Daniel im babylonischen Exil deutete das Warnzeichen: Gott werde das Reich den Persern geben. Und so geschah es auch.

Fast kampflos fällt die Stadt. 539 vor Christus zieht der Perserkönig Kyros II ein.